Das Innere Team

Kennst du das? Du musst eine Entscheidung treffen und in dir melden sich verschiedene Stimmen zu Wort?
Wir alle nehmen nicht nur äußerlich verschiedene Rollen an, sondern haben auch innerlich verschiedene Charakterzüge, Stimmen oder eben Teammitglieder, die alle zu unserer Persönlichkeit gehören. Jeder Mensch verfügt über ein Inneres Team aus verschiedenen Charakteren. Wer dieses Team gut kennt, kann es so weiterentwickeln, dass in jeder Situation auf die richtigen Mitglieder zurückgriffen werden kann und dadurch besonders klar und effektiv kommuniziert wird.

Das Modell des Inneren Teams wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt und beschreibt die Tatsache, dass jeder Mensch mehrere Persönlichkeitsanteile in sich trägt, die teilweise gegensätzliche Richtungen anstreben.

Ein Beispiel: In der Schule fragt ein*e Mitschüler*in, ob die Hausaufgaben abgeschrieben werden können. Sofort melden sich unterschiedliche Teammitglieder zu Wort: das hilfsbereite Mitglied, das egoistische Mitglied, das unsichere Mitglied, das selbstsichere Mitglied. Die Entscheidung hängt dann davon ob, auf welches Teammitglied gehört wird oder ob die Teammitglieder eine Einigung finden.

Es kann schwierig sein mit der inneren Pluralität fertig zu werden. Müssen zum Beispiel Entscheidungen getroffen werden, äußert sich dies in Unentschlossenheit und widersprüchlichen Gefühlen.

Um die eigenen Teammitglieder kennenzulernen, kann es helfen sich eine Situation vorzustellen, in der man sich hin- und hergerissen fühlt und nicht weiß, wie man am besten reagieren soll. Welche inneren Teammitglieder melden sich zu Wort?

Ungelöste Innere Teamkonflikte äußern sich negativ nach innen und nach außen. Im Inneren sind sie belastend und können dazu führen, dass man in eine Starre verfällt und nicht handlungsfähig ist. Nach außen führen sie zu schwammiger Kommunikation und Missverständnissen.

5 Schritte, um Innere Konflikte zu lösen

  1. Welche Inneren Teammitglieder sind beteiligt?
  2. Jedes Teammitglied darf den Standpunkt erklären.
  3. Diskussion zwischen den Teammitgliedern.
  4. Gemeinsamkeiten finden.
  5. Chef*in des Teams erarbeitet einen Vorschlag, dem alle Teammitglieder zustimmen können.

Unterschiedliche Themen und Beziehungspartner*innen aktivieren, provozieren, blockieren und locken ganz unterschiedliche Teammitglieder hervor. Dazu kommt, dass auch unser Gegenüber ein Inneres Team hat, welches je nach Situation unterschiedlich aufgestellt sein kann. Aus diesem Grund kann es zu Teufelskreisen in der Kommunikation kommen. Beispielsweise kann es für die Beziehung mit den Eltern eine typische Grundaufstellung des Inneren Teams geben. Es kann helfen, sich zu überlegen, welche Teammitglieder man häufig im Einsatz bei Kontakten mit XY hat, um diese Dynamik zu erkennen.

Die Teammitglieder haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Je nach Situation können unterschiedliche Teammitglieder aktiv ausgewählt werden. Wer klar kommunizieren möchte, muss also entscheiden, welche Teammitglieder in der jeweiligen Situation am sinnvollsten eingesetzt werden sollten. Dies braucht vor allem Übung und die stetige Auseinandersetzung und Reflexion des Inneren Teams.

Veröffentlicht von Sina M.S.

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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